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Digitales Horten: Warum du nicht chaotisch bist — sondern neugierig
von Emanuela
Neulich habe ich versucht, etwas wiederzufinden. Das klingt harmloser, als es war. Ich wusste ziemlich genau, wonach ich suchte. Ein Rezept. Oder vielleicht war es ein Artikel. Möglicherweise eine Dehnübung. Jedenfalls etwas, das ich irgendwann gespeichert hatte, weil ich dachte: „Das ist gut. Das brauche ich später."
Der erste Suchort war Instagram. Nichts. Der zweite Pinterest. Auch nichts. Dann meine Fotogalerie. WhatsApp. Notizen. E-Mails an mich selbst. Ja. E-Mails an mich selbst.
Irgendwann saß ich da und fragte mich: Warum mache ich das eigentlich?
Früher dachte ich, ich wäre chaotisch
Wirklich. Ich dachte, normale Menschen hätten ihre Sachen im Griff. Normale Menschen hätten vermutlich drei gespeicherte Rezepte. Vielleicht fünf. Normale Menschen würden Dinge wiederfinden.
Dann habe ich angefangen, genauer hinzuschauen. Und festgestellt: Die meisten Menschen sind genauso. Sie haben Pinterest-Boards. Gespeicherte Beiträge. Screenshots. Offene Tabs. WhatsApp-Nachrichten an sich selbst. Und irgendwo noch einen Zettel mit etwas, das sie nicht vergessen wollten.
Die Unterschiede liegen nur in der Größe des Berges.
Du sammelst keine Inhalte
Das war die Erkenntnis, die bei mir etwas verändert hat. Ich sammle keine Rezepte. Keine Bücher. Keine Pflanzenideen. Keine Einrichtungstipps. Ich sammle Möglichkeiten.
Möglichkeiten für ein schöneres Zuhause. Für mehr Gesundheit. Für mehr Kreativität. Für ein Leben, das sich ein bisschen leichter, schöner oder interessanter anfühlt.
Und plötzlich wirkte mein Verhalten viel weniger verrückt.
Das Problem ist nicht die Neugier
Das Problem ist, dass Neugier inzwischen industriell produziert wird. Früher hattest du vielleicht eine Freundin, die dir ein gutes Buch empfohlen hat. Heute empfiehlt dir das Internet innerhalb von zehn Minuten:
- drei Bücher
- vier Podcasts
- sieben Rezepte
- zwei Morgenroutinen
- eine Atemtechnik
- einen Kräutergarten
- und einen Kurs, der dein Leben verändert
Das ist ungefähr die Menge Inspiration, die ein Mensch früher in einem halben Jahr bekommen hat. Vor dem Frühstück.
Deshalb verlieren wir den Überblick
Nicht weil wir chaotisch sind. Sondern weil wir versuchen, mit einer Informationsmenge umzugehen, für die unser Gehirn nie gebaut wurde.
Also speichern wir. Und speichern. Und speichern. Wie Eichhörnchen auf Koffein.
Die Wahrheit über den Berg
Der Berg entsteht nicht aus Faulheit. Er entsteht aus Hoffnung.
Jeder gespeicherte Beitrag sagt: „Vielleicht mache ich das irgendwann." Jedes Rezept sagt: „Vielleicht koche ich das mal." Jedes Buch sagt: „Vielleicht lese ich das noch."
Der Berg besteht aus Möglichkeiten. Deshalb fällt es so schwer, ihn loszulassen.
Die befreiende Erkenntnis
Du musst gar nicht alles machen. Nicht das Sauerteigbrot. Nicht den Kräutergarten. Nicht die Morgenroutine. Nicht die zehn Bücher. Nicht die 47 Rezepte.
Vielleicht reicht eins. Eine Idee. Eine Sache. Diese Woche.
Denn das Ziel war nie, alles zu leben. Das Ziel war immer, etwas zu leben. Und plötzlich wird aus einem Berg wieder etwas Menschliches.
Vielleicht bist du gar nicht chaotisch
Vielleicht bist du einfach neugierig. Und vielleicht brauchst du nicht mehr Ordnung. Sondern weniger Möglichkeiten gleichzeitig.
Denn ganz ehrlich: Ein Mensch kann erstaunlich viele gute Ideen haben. Aber selbst der neugierigste Mensch der Welt kann nicht 87 Pinterest-Boards leben.
— Emanuela