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Mein zukünftiges Ich hat keine Zeit mehr
von Emanuela
Ich glaube, mein zukünftiges Ich ist kurz vor dem Burnout. Anders kann ich mir das nicht erklären.
Seit Jahren übergebe ich dieser armen Frau Aufgaben. Ein Buch, das sie lesen soll. Ein Rezept, das sie kochen soll. Eine Morgenroutine, die sie endlich etablieren soll. Eine Dehnübung gegen Rückenschmerzen. Eine Atemtechnik gegen Stress. Einen Artikel darüber, wie man endlich Ordnung hält.
Und jedes Mal denke ich: „Darum kümmert sich später mein zukünftiges Ich."
Das Problem ist nur: Mein zukünftiges Ich wird nie gefragt.
Die arme Frau hat inzwischen einen Vollzeitjob
Wenn ich ehrlich bin, hat sie sogar mehrere. Sie soll:
- 47 gespeicherte Rezepte kochen
- 23 Bücher lesen
- Spanisch lernen
- Yoga anfangen
- den Kleiderschrank ausmisten
- den Garten neu gestalten
- gesünder essen
- mehr schlafen
- weniger aufs Handy schauen
Und irgendwo dazwischen soll sie vermutlich auch noch leben.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bewundere ich sie. Und desto weniger verstehe ich, warum sie nie hinterherkommt.
Der Irrtum mit dem Speichern
Lange dachte ich, Speichern sei eine Art Vorbereitung. Als würde ich meinem zukünftigen Ich einen Gefallen tun. Heute glaube ich etwas anderes.
Ich glaube, ich schiebe Arbeit weiter. Sehr höflich. Sehr organisiert. Mit einem kleinen Lesezeichen-Symbol. Aber trotzdem weiter.
Denn sobald etwas gespeichert ist, verschwindet es aus meinem Kopf. Nicht weil es erledigt wäre. Sondern weil ich die Verantwortung abgegeben habe.
Warum wir das alle machen
Weil Möglichkeiten wunderschön sind.
Ein gelesenes Buch ist eine Sache. Ein ungelesenes Buch ist tausend Möglichkeiten. Ein gekochtes Rezept ist ein Abendessen. Ein gespeichertes Rezept ist die Vorstellung von vielen perfekten Abendessen.
Die Möglichkeit fühlt sich oft größer an als die Realität. Deshalb sammeln wir. Nicht weil wir chaotisch sind. Sondern weil wir hoffnungsvoll sind.
Jeder gespeicherte Beitrag sagt: „Vielleicht werde ich diese Person." Die Person mit dem Kräutergarten. Die Person mit der Morgenroutine. Die Person, die jeden Sonntag frisches Brot backt.
Die befreiende Erkenntnis
Irgendwann wurde mir klar: Ich muss gar nicht alles machen. Nicht die 47 Rezepte. Nicht die 23 Bücher. Nicht die sieben neuen Gewohnheiten.
Vielleicht reicht eine Sache. Eine einzige. Diese Woche.
Denn mein Ziel war nie, alles zu leben. Mein Ziel war immer, etwas zu leben.
Eine Entschuldigung an mein zukünftiges Ich
Falls du das liest: Es tut mir leid. Für die Rezepte. Für die Bücher. Für die Dehnübungen. Für die Artikel über Ordnung. Vor allem für die Artikel über Ordnung.
Ich werde versuchen, weniger Arbeit bei dir abzuladen. Und stattdessen heute schon eine Sache selbst zu machen.
Dafür gibt es LaterLess
LaterLess ist nicht für die tausend Möglichkeiten. Davon haben wir bereits genug. LaterLess ist für die wenigen Dinge, die tatsächlich eine Chance bekommen sollen.
Weniger für später. Mehr für jetzt. Und deutlich weniger Arbeit für unser zukünftiges Ich.
— Emanuela