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· Lesezeit: 5 Minuten

Du hast 1.876 Beiträge auf Instagram gespeichert. Wann hast du zuletzt reingeschaut?

von Emanuela

Neulich habe ich auf Instagram auf „Gespeichert" geklickt. Das war ein Fehler. Nicht weil dort etwas Schlimmes war. Sondern weil dort alles war.

Rezepte. Wohnideen. Bücher. Pflanzen. Übungen für einen starken Rücken. Übungen für einen flachen Bauch. Übungen für einen starken Rücken und einen flachen Bauch. Irgendwo dazwischen vermutlich auch die Lösung für den Weltfrieden.

Jedenfalls war es viel. Sehr viel. So viel, dass ich irgendwann angefangen habe zu scrollen und nach wenigen Minuten das Gefühl hatte, eine Wanderung durch ein digitales Mittelgebirge zu machen.

Und dann wurde mir etwas klar: Ich habe diese Dinge gespeichert, weil sie mir wichtig waren. Heute erinnere ich mich an die Hälfte nicht einmal mehr.

Das kleine Märchen vom „später"

Jedes Mal, wenn wir etwas speichern, erzählen wir uns dieselbe Geschichte. „Das schaue ich mir später an." Das klingt vernünftig. Fast verantwortungsvoll. So, als würden wir etwas für unser zukünftiges Ich vorbereiten.

Mein zukünftiges Ich muss allerdings ein sehr beschäftigter Mensch sein. Denn es hat offenbar noch nie Zeit gefunden, sich um die 1.876 Dinge zu kümmern, die ich ihm bereits übergeben habe.

Mein gespeicherter Ordner ist inzwischen ein Lagerhaus

Früher dachte ich, mein gespeicherter Ordner sei eine Schatzkiste. Heute glaube ich, er ist eher ein Lagerhaus. Ein riesiges Lagerhaus. Mit schlecht lesbaren Regalen. Und ohne Lageplan.

Irgendwo dort drin liegt bestimmt dieses fantastische Rezept. Direkt neben der Dehnübung. Hinter dem Artikel über Darmgesundheit. Unter der Anleitung für selbstgemachte Zitronenlimonade. Falls ich es jemals wiederfinde.

Das Verrückte daran

Die meisten dieser Dinge wollte ich nie wirklich machen. Das klingt hart. Ist aber befreiend. Viele davon waren einfach nur kurz interessant. Ich mochte die Idee. Ich mochte das Bild. Ich mochte den Gedanken.

Aber ich wollte nie ernsthaft mein eigenes Sauerteigbrot backen, einen Kräutergarten anlegen, Makramee lernen und gleichzeitig eine Morgenroutine entwickeln. Zumindest nicht alles in derselben Woche.

Vielleicht ist der Berg gar nicht das Problem

Vielleicht ist das eigentliche Problem, dass wir glauben, alles behalten zu müssen. Als wäre jede gute Idee ein seltenes Fundstück. Als würde sie verschwinden, wenn wir sie nicht retten.

Dabei haben die meisten Ideen ihren Job längst erledigt. Sie haben uns inspiriert. Mehr mussten sie gar nicht tun. Nicht jede Idee braucht lebenslanges Bleiberecht.

Was ich heute anders mache

Ich versuche nicht mehr, den ganzen Berg zu retten. Ich suche eine Sache. Nur eine. Ein Rezept. Ein Buch. Eine Idee. Und wenn sie ihren Platz in meinem Leben gefunden hat, darf sie weiterziehen.

Der Rest? Darf bleiben, wo er ist. Oder verschwinden. Ich werde es vermutlich nicht einmal merken. Und das ist völlig okay.

Vielleicht geht es gar nicht ums Speichern

Vielleicht geht es darum, zu leben. Nicht irgendwann. Nicht später. Jetzt. Oder wenigstens diese Woche.

Denn ganz ehrlich: 1.876 gespeicherte Beiträge sind beeindruckend. Ein gekochtes Rezept ist trotzdem mehr wert.

Emanuela

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